Gender Diversity in der Pharma/Med-tech-Branche

  • Obwohl die Pharma- und Med-tech-Branche eine der gleichbleibendsten Geschlechterverteilung über die verschiedenen Kaderstufen hinweg aufweist, sind Frauen an der Spitze dennoch untervertreten. Besonders stark ist der Rückgang des Frauenanteils vom untersten ins untere Kader. In diesen Stufen sind die Frauen auch in Positionen mit Personalverantwortung untervertreten.
  • Die Pharma- und Med-tech-Branche nutzt ihre interne Talentpipeline besser als andere Branchen. Allerdings werden Beförderungen ins unterste und untere Kader im Hinblick auf ein vielfältiges Talentmanagement noch nicht ausreichend genutzt. Die Gruppe zwischen 31 und 40 Jahren fällt besonders auf, da sich in diesem Alter zwischen Männern und Frauen bezüglich Beförderungen eine Kluft öffnet.
  • In allen Kaderstufen und – in kleinerem Ausmass – auch über alle Altersgruppen hinweg besteht eine Vollzeitkultur. Das könnte eine Erklärung dafür sein, warum Frauen in dieser Branche im Kader besser vertreten sind als anderswo – sie werden nicht durch Teilzeitarbeit von Beförderungen ausgeschlossen.

 

Frauen sind in Positionen mit Personalverantwortung untervertreten

Auf den ersten Blick scheint die Pharma/Med-tech-Branche geschlechtervielfältig zu sein. Obwohl Frauen in der Pharma/Med-tech-Branche im untersten Kader und im Nicht-Kader fast gleich stark vertreten sind wie Männer, nimmt ihr Anteil in den höheren Kaderstufen stark ab. Im oberen/obersten Kader beträgt der Frauenanteil nur 23%. Der Frauenanteil geht vor allem zwischen dem untersten und unteren Kader sowie zwischen dem mittleren und oberen/obersten Kader stark zurück.

Geschlechterverteilung nach Geschlecht und Kaderstufe - Pharma/Med-tech-Branche

Frauen
Männer
Oberstes und oberes Kader
23%
77%
Mittleres Kader
33%
67%
Unteres Kader
37%
63%
Unterstes Kader
47%
53%
Nicht-Kader
48%
52%

Eine mögliche Erklärung: Frauen werden zwar in untere Kaderstufen befördert, diese sind jedoch oft nicht die Positionen, die Talente für einen weiteren Aufstieg auf der Karriereleiter vorbereiten. So sind zwar 47% der Mitarbeitenden im untersten Kader Frauen, aber nur ein Drittel der Positionen mit Personalverantwortung auf dieser Stufe sind mit Frauen besetzt. Es ist anzunehmen, dass Frauen im untersten Kader überwiegend in Fachkader- oder administrativen Positionen tätig sind, die eher nicht zu weiteren Aufstiegsmöglichkeiten führen. Die Unterrepräsentation von Frauen in Positionen mit Personalverantwortung ist in der Pharma/Med-tech-Branche allerdings weniger ausgeprägt als im Durchschnitt aller Branchen.

 

Die Pharma/Med-tech-Branche nutzt ihre Talentpipeline gut

Die Pharma/Med-tech-Branche nutzt ihre Talentpipeline besser als andere Branchen, obwohl auch hier einige Frauen auf dem Weg nach oben verloren gehen. Obschon Frauen 48% der Mitarbeitenden im Nicht-Kader ausmachen, beträgt ihr Anteil an den Beförderungen in das unterste und untere Kader nur 40%. Ihr Anteil auf diesen Stufen beträgt zudem 41%. Somit tragen die Beförderungen nicht zur Erhöhung des Frauenanteils auf diesen Stufen bei. Der Frauenanteil an den Rekrutierungen ist etwas höher.

Im Gegensatz dazu tragen Rekrutierungen und Beförderungen deutlich dazu bei, den Frauenanteil im mittleren und oberen/obersten Kader zu erhöhen. Das gibt Hoffnung für zunehmende Vielfalt in der Führung der Pharma/Med-tech-Branche. Darüber hinaus ist der Frauenanteil an den Beförderungen ins mittlere und obere/oberste Kader sogar höher als im Talentpool, d.h. dem untersten und unteren Kader. Die interne Pipeline wird im Vergleich zu den anderen Branchen also sehr gut genutzt.

Übersicht Pharma/Med-tech-Branche

 

Aber warum sind die Frauenanteile bei den Beförderungen ins unterst und untere Kader so niedrig? Welche Talente gehen verloren? Der Gender-Gap bei den Beförderungen beginnt im Alter von 31 Jahren. Besonders ausgeprägt ist dies bei Beförderungen ins unterste und untere Kader, wo mehr als die Hälfte aller Beförderungen in die Familienzeit zwischen 31 und 40 Jahren fallen. Bei den Rekrutierungen ist dies ebenfalls der Fall, wenn auch in etwas geringerem Ausmass. Eine Ausweitung des Verständnisses von Karriere, das lebensphasenorientierte Bedürfnisse berücksichtigt, könnte dazu beitragen, dass mehr Frauen aufsteigen.

 

Kaderrekrutierungen sind häufiger ausländischer Herkunft

Neu rekrutierte Kadermitarbeitende sind weniger häufig Schweizer:innen als das aktuelle Kader. 27% der rekrutierten weiblichen und 38% der rekrutierten männlichen Kadermitarbeitende sind Schweizer:innen. Der Anteil der rekrutierten ausländischen Kadermitarbeitenden ist bei den Frauen damit höher als bei den Männern. Diese Tendenz ist in den höheren Kaderstufen noch ausgeprägter (hier sind nur 11% der neu eingestellten Frauen Schweizerinnen). Zudem sind auch die Kaderfrauen, die bereits in der Pharma/Med-tech-Branche tätig sind, in Bezug auf ihre Nationalität vielfältiger als die Kadermänner.

 

Die Vollzeitkultur hält sich hartnäckig

Die durchschnittlichen Beschäftigungsgrade sind in der Pharma/Med-tech-Branche im Vergleich zum Durchschnitt aller Branchen besonders hoch. Ausserdem gibt es auch keine starke Verbindung zwischen Alter und Beschäftigungsgrad, was bedeutet, dass Frauen (oder Männer) zwischen 30 und 45 Jahren ihr Pensum nicht so stark reduzieren, wie dies in fast allen anderen Branchen der Fall ist. Dies deutet auf eine Vollzeitkultur hin, die für Mitarbeitende mit vielfältigen Bedürfnissen und Verpflichtungen und die allenfalls ihr Pensum reduzieren möchten, unattraktiv sein kann. Tatsächlich ist die Fluktuationsrate sowohl bei Männern als auch bei Frauen in der Pharma/Med-tech-Branche höher als im Gesamtsample aller Branchen, was auf eine gewisse Unzufriedenheit hindeuten könnte.

Durchschnittlicher Beschäftigungsgrad nach Geschlecht und Kaderstufe - Pharma/Med-tech-Branche

Frauen
Männer
Oberstes und oberes Kader
Mittleres Kader
Unterstes Kader
Unteres Kader
Nicht-Kader

Empfehlungen: Hürden für vielfältige Karrieren abbauen

Obwohl die Pharma/Med-tech-Branche ihre vielfältige Talentpipeline bereits sehr gut nutzt, gibt es noch Hindernisse für Frauen und Mitarbeitende mit vielfältigen Bedürfnissen. Wie können Unternehmen diese angehen?

  • Vielfältige Karrierewege: Zwar sind Frauen im Kader vertreten, doch scheinen sie häufig Positionen zu besetzen, die weniger Aufstiegsmöglichkeiten bieten (Fachkader- und administrative Positionen). Vertiefte Analysen der Geschlechterverteilung in verschiedenen Funktionen (Backoffice, Forschung, Gewinn- und Verlustverantwortung, Personalverantwortung, Kommunikation und andere “Coporate Functions”) können helfen festzustellen, wo Frauen “steckenbleiben”. Diversitätsziele für Schlüsselrollen können ebenfalls wirkungsvoll sein.
  • Setzen Sie auf psychische Gesundheit und flexibles Arbeiten: In der Pharma/Med-tech-Branche bestehen sehr hohe durchschnittliche Beschäftigungsgrade und die Fluktuationsraten sind höher als in anderen Branchen. Wir empfehlen deshalb, den Schwerpunkt auf die Erhaltung und Förderung der psychischen Gesundheit und des Wohlbefindens der vorhandenen Talente zu legen. Haben sie die Flexibilität, die sie brauchen? Gibt es Instrumente zur Förderung der psychischen Gesundheit und zur Stressbewältigung? Sind die Führungskräfte für diese Themen sensibilisiert?

 

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